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Die Magie des Spiels

Kind spielt im Sandkasten
©Photo by Alexander Dummer on Unsplash

Die Phantasie eures Kindes ist ein magischer Ort. Ein Stock wird zu einem Zauberstab, eine Decke zu einem fliegenden Umhang und die rosafarbenen Wolken schmecken nach Zuckerwatte. Wenn ihr euch mit eurem Kind auf diese Abenteuer einlasst, entdeckt nicht nur ihr selbst eure Welt mit neuen Augen, sondern ihr unterstützt die gesunde Entwicklung eures Nachwuchses.

Die sogenannte „Magische Phase“ erlebt euer Kind im Alter von ca. drei bis fünf Jahren. Während dieser Zeit ist sein Gehirn schon so weit entwickelt, dass es sich phantastische Geschichten ausdenken und lebensecht vorstellen kann, aber es noch nicht in der Lage, an der Realität dieser imaginären Erlebnisse zu zweifeln.

Die Welt, wie euer Kind sie sieht

Als euer Kind noch ein Baby war, hat es seine Welt mit seinen Sinnen erkundet; vor allem der Tastsinn war zu dieser Zeit ein wichtiges Hilfsmittel, um die Welt zu begreifen. Kleinkinder verstehen schon sehr viel mehr als Babys, aber es gibt immer noch viele Dinge, die ihnen unerklärlich erscheinen – bis sie ihre eigene magische Erklärung dafür finden.

Was euer Kind zuvor als Baby begriffen hat, kombiniert es jetzt also mit seiner Vorstellungskraft und es wird euch mehr als einmal mit seinen Theorien, wie die Welt funktioniert, überraschen. So tun als ob seine Lebenswelt der Realität entspricht, hilft ihm dabei, verschiedene Rollen zu erkunden. Gleichzeitig kann es sich selbst dabei entdecken und es lernt auch selbst Probleme zu lösen. Hat euer Kind zum Beispiel einen imaginären Freund, kann es vorkommen, dass es heftig mit diesem streitet und dabei verschiedene Arten einen Streit zu lösen ausprobiert. Findet dieser Streit später mit einem Geschwisterkind statt, löst sich wahrscheinlich alles relativ schnell wieder auf.

Ein weiterer wichtiger Faktor für diese Art von Spiel ist es, Emotionen zu verarbeiten: Jeden Tag lernt es so viele neue Dinge kennen und gerät in unerwartete Situationen, wie zum Beispiel die ganzen aufregenden Erlebnisse im Kindergarten – da muss eine ganze Menge verarbeitet werden.  

Unterstützt euer Kind

Die Vorstellung eures Kindes ist die Basis des derzeitigen Abenteuers, aber ihr könnt daran teilhaben und das Spiel unterstützen:

  • Macht mit

Wenn euer Kind gerade lachend durch die Gegend schwebt, dürft ihr ihm nicht sagen, dass es nur auf und ab springt. Glaubt daran, dass es in seinem Kopf wirklich fliegen kann und ermutigt es, weiter in diese Phantasie einzutauchen. Ihr könnt ihm zum Beispiel bewundernd sagen, wie hoch es fliegt oder danach fragen, was es alles auf dem Boden erkennen kann. Vielleicht braucht ihr aber auch selbst eine Auszeit und fliegt einfach mit ihm durch die Wolken?

  • Einfache Spielzeuge

Die heutigen, modernen Spielzeuge können eine Menge Spaß machen und zu neuen Spielideen anregen. Aber erinnert euch auch an die Spielsachen eurer eigenen Kindheit und schenkt sie eurem Liebling. Knete, Malsachen, Figuren und Bausteine regen die Phantasie eures Kindes an und lassen es seine Kreativität ausleben.

Elektronische Spielsachen wie Handheldsysteme oder Lerncomputer bespaßen euer Kind ebenfalls gut. Aber wenn es nur mit dieser Art Spielzeug spielt, übernimmt das Gerät die Führung und die eigene Vorstellungskraft verkümmert, da sie nicht genutzt wird. Vielleicht könnt ihr aber die Idee aus einem Handheldspiel aufgreifen und sie in der Wirklichkeit zusammen ausleben und mit den Vorschlägen eures Kindes weiter ausbauen?

  • Aktives Vorlesen

Bücher sind eine tolle Möglichkeit die Entwicklung eures Kindes positiv zu unterstützen. Wenn ihr zum Beispiel diese Abenteuer zusammen lest, könnt ihr ihm zwischendurch offene Fragen stellen. Was würde euer Sonnenschein als Raupe alles essen und was könnte passieren, wenn die kleine Hexe zur Feier der älteren Hexen stößt?

Diese Fragen regen die Phantasie und die sprachliche Entwicklung eures Kindes an und ganz nebenbei könnt ihr sein Interesse an Büchern fördern.

  • Alleine Spielen

Wenn euer Kind regelmäßig Zeit und Ruhe hat, um alleine zu spielen und sich selbst Beschäftigung zu suchen, lernt es viele wichtige Dinge. Es kann sich zum Beispiel ganz frei ausleben und seine eigene Unabhängigkeit erkunden – es lernt aber auch, wie es sich selbst beschäftigen kann und ist nicht immer auf die Unterhaltung durch andere angewiesen. So hat Langeweile bald keine Chance mehr!

  • Fernsehen nur in Maßen

Zusammen Filme ansehen macht viel Spaß und kann ein toller Zeitvertreib sein, aber wenn euer Kind nur den fertigen Abenteuern anderer folgt, kann es seine eigene Vorstellungskraft nicht nutzen und weiter entwickeln.

Und dann ist die Magie vorbei…

Gerade habt ihr noch gemeinsam Drachen besiegt oder wart selbst auf der Flucht vor den Rittern, die euren Goldschatz klauen wollten und jetzt setzt alles Staub an? So  traurig euch das auch erscheinen mag, so natürlich ist diese Entwicklung, denn sie ist ein Zeichen für ein gesundes Wachstum des kindlichen Verstandes.

Euer Kind kann jetzt kritischer denken und selbst Zusammenhänge sehen, die in der realen Welt existieren – da ist kein Platz mehr für magische Lösungen. Zu diesem Zeitpunkt lernt es den Unterschied zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen kennen sowie zwischen richtig und falsch.

Habt ihr eurem Kind vorher den Donner damit erklären können, dass jemand zwischen den Wolken Bowling spielt, wird es dies jetzt nicht mehr glauben – aber wenn es Lust dazu hat, kann es sich dies trotzdem für den Moment weiter vorstellen. Macht euch aber am besten auf die ewig fortwährenden Warum-Fragen gefasst, denn diese Zeit steht jetzt an und euer Kind lernt seine Welt erneut ganz anders kennen.

Euer Kind verliert seine Kreativität zum Glück nicht – es lebt sie jetzt nur anders aus. Es lässt Kunstwerke entstehen, spielt mit verschiedenen Melodien, denkt sich Geschichten aus oder löst Aufgaben mit vielen verschiedenen Ansätzen. Für eure Familie beginnen jetzt also ganz andere Abenteuer.

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