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Elternzeit und Elterngeld

Elternzeit & Elterngeld
©Verena Dias, Bambini & Business

Leinen los! Mit unserer großen Reihe über die organisatorischen Aspekte berufstätiger Eltern könnt ihr auch unbesorgt auf die Geburt eures Babys freuen.

Den Anfang macht Mompreneur Verena Dias, die mit Bambini & Business über Elternzeit, Elterngeld und den beruflichen Wiedereinstieg berät.

Als werdende Eltern gibt es so viele neue und schöne Dinge zu planen und Entscheidungen zu treffen: der Name des Kindes, die Farbe und das Modell des Kinderwagens, die Gestaltung des Kinderzimmers und noch vieles mehr. Doch die Auseinandersetzung mit so wichtigen Themen wie die Planung der Elternzeit und Bezug von Elterngeld sind so beliebt wie die jährliche Steuererklärung.

Viele klagen, dass die Regeln für Elternzeit und Elterngeld unübersichtlich sind und sie nicht verstehen, was für ihre individuelle Situation gilt. Erschwerend kommen gut gemeinte Ratschläge aus dem Freundes- und Bekanntenkreis hinzu, die sich zum Teil widersprechen. Warum ist das so? Und noch wichtiger: was können werdende Eltern dagegen tun?

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der deutsche Gesetzgeber mit den Regelungen zu Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld positive Rahmenbedingungen für werdende und junge Familien geschaffen hat, die in kaum einem Nachbarland zu finden sind.

Mutterschutz

So sind werdende Mütter während der Schwangerschaft und einige Zeit nach der Geburt durch den Mutterschutz geschützt, unter anderem indem sie während des Mutterschutzes ihr bisheriges Einkommen in Form von Mutterschaftsgeld beziehen und einen besonderen Kündigungsschutz genießen.

Elternzeit

Die Elternzeit ist eine Auszeit vom Berufsleben und ermöglicht Eltern, bis zu drei Jahre gar nicht oder mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten, um mehr Zeit mit dem Nachwuchs verbringen zu können. Bei der Elternzeit besteht ein sehr großer individueller Gestaltungsspielraum, so können die Eltern unabhängig voneinander über jeweils 3 Jahre Elternzeit verfügen, diese auf bis zu drei Zeiträume aufteilen und die Elternzeit sogar bis zum 8. Geburtstag ihres Kindes in Anspruch nehmen. Immer mehr Eltern nutzen diese Möglichkeit für eine Auszeit vom Berufsleben, sei es für eine gemeinsame längere Reise oder für die Chance auf eine berufliche Veränderung, zum Beispiel durch eine Weiterbildung oder den Aufbau einer Selbstständigkeit.

Dies alles unter dem Schirm eines bestehenden Kündigungsschutzes und der Möglichkeit, jederzeit in das bestehende Arbeitsverhältnis zurückkehren bzw. Teilzeit in Elternzeit arbeiten zu können, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. In den meisten Fällen hat der Arbeitgeber wenig Möglichkeiten, die Elternzeit-Wünsche seiner Arbeitnehmer nicht zu erfüllen.

Elterngeld

Ein weiteres „Geschenk“ des Gesetzgebers ist das Elterngeld, eine Leistung für Eltern von Babys und Kleinkindern. Das Elterngeld soll den jungen Eltern ermöglichen, Zeit mit ihrem Baby zu verbringen, indem die finanzielle Lebensgrundlage der Familie gesichert oder zumindest unterstützt wird. Wichtig für das Verständnis des Elterngeldes ist, dass es einen Ausgleich für das fehlende Einkommen schaffen möchte, wenn Eltern nach der Geburt ihres Kindes zeitweise weniger oder gar nicht arbeiten. Vereinfacht lässt sich sagen, wer nach der Geburt unverändert in Vollzeit arbeitet, hat keinen Anspruch auf Elterngeld.

Wer jedoch Zeit mit seinem Baby verbringt und weniger arbeitet, erhält einen finanziellen Ausgleich. Dabei möchte der Gesetzgeber von der konservativen Rollenverteilung wegkommen und die gemeinschaftliche Betreuung des Kindes durch Vater und Mutter unterstützen. Dies geschieht einerseits durch die Verlängerung des Elterngeld-Bezugszeitraums von 12 auf 14 Monate, wenn beide Eltern mindestens zwei Monate Elterngeld beziehen, die sogenannten „Partner-Monate“. Im Alltag ist häufig zu beobachten, dass die Mama den Großteil der Elterngeld-Monate in Anspruch nimmt und der Papa die beiden (liebevoll-ironisch genannten) „Papa-Monate“ nimmt.

Um die Väter noch stärker einzubinden bzw. sie dabei zu unterstützen, sich gleichberechtigt in die Familie einzubringen, hat der Gesetzgeber andererseits den „Partnerschaftsbonus“ geschaffen. Diesen erhalten beide Elternteile zusätzlich über einen Zeitraum von 4 Monaten, wenn sie in dieser Zeit parallel 25 – 30 Wochenstunden arbeiten und sich somit die familiären und beruflichen Pflichten partnerschaftlich teilen.

Warum wirkt das alles so kompliziert?

Nach meiner Erfahrung wirken die Regelungen zu Elternzeit und Elterngeld auf viele Paare so unübersichtlich, weil der Gesetzgeber viel individuellen Gestaltungsspielraum gelassen hat, um möglichst vielen Familien in ihren unterschiedlichen Arbeitsformen und -rollen gerecht zu werden. So gelten zum Beispiel für angestellte Arbeitnehmer andere Regeln als für Beamte (beim Mutterschutz bzw. bei der Elternzeit). Und für Selbstständige gelten wiederum andere Regeln beim Elterngeld, zum Beispiel bei der Bemessungsgrundlage bzw. dem Bemessungszeitraum für die Berechnung des Elterngeldes. Vermeintlich unübersichtlich wird es, wenn ein Elternteil Mischeinkünfte bezieht, also Einkünfte aus Angestellten- und selbstständiger Tätigkeit. (Tatsächlich ist die Antwort ganz einfach: Es gelten die Regelungen für Selbstständige.)

Neben der bisherigen Einkommenshöhe haben zum Beispiel auch andere Faktoren wie die Steuerklasse oder die Art der Krankenversicherung Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes. Für große Verunsicherung sorgen bei vielen die verschiedenen Elterngeld-Varianten Basis-Elterngeld und ElterngeldPlus. Je nach Variante gelten andere Bezugsdauern und Betragshöhen. Dabei gilt auch hier: der Gesetzgeber möchte allen gerecht werden – denjenigen, die möglichst lange zu Hause bleiben und sich nur um das Baby kümmern möchten, genauso wie denjenigen, die bereits einige Monate nach der Geburt wieder mit bis zu 30 Wochenstunden arbeiten gehen.

Was häufig zu weiterer Verunsicherung bei werdenden Eltern führt, sind gutgemeinte Ratschläge und Erfahrungsberichte von Freunden und Bekannten. Diese sind manchmal hilfreich, manchmal aber unpassend, weil diese auf beruflichen oder familiären Situationen basieren, die sich von denen des werdenden Elternpaares unterscheiden. Hinzukommt, dass der Gesetzgeber im Jahr 2015 gesetzliche Änderungen vorgenommen hat, weshalb bei den Regeln zu Mutterschutz, Elternzeit, Teilzeit in Elternzeit und Elterngeld zu unterscheiden ist, ob ein Kind vor oder nach dem 1. Juli 2015 geboren wurde.

Wie können werdende Eltern mehr Klarheit erlangen?

Zunächst ist es hilfreich, sich Wissen über die gesetzlichen Regelungen zu Mutterschutz, Elternzeit, Teilzeit in Elternzeit und Elterngeld anzueignen. Dies kann zum Beispiel durch das Selbststudium von offiziellen Informationsmaterialien des Familienministeriums erfolgen. Hier ist vor allem die Website www.familienportal.de zu empfehlen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Anbieter, die Informations-Veranstaltungen zu diesen Themen anbieten, zum Beispiel Krankenhäuser, soziale Einrichtungen oder andere Anbieter (zum Beispiel Bambini & Business).

Darüber hinaus empfehle ich, dass sich werdende Eltern über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse sowie die Möglichkeiten in ihrem Umfeld bewusst werden. Bei der Planung der individuellen Elternzeit- und Elterngeld-Strategie sollte sich jedes Elternpaar genau überlegen: Wer bleibt wie lange zu Hause? Wie und wann kann der berufliche Wiedereinstieg erfolgen? Wie und wann kann die Betreuung durch Dritte sichergestellt werden? Welche finanziellen Notwendigkeiten gibt es? Sind Anforderungen des Arbeitgebers ggf. zu berücksichtigen? Nicht zu vergessen: was sind unsere persönlichen Werte? Wie möchten wir Familie und Beruf vereinbaren? Auf dieser Grundlage lässt sich relativ einfach eine individuelle Strategie ableiten. Die Antworten auf diese Fragen geben gleichzeitig die Antwort, wie die Elternteile ihre Elternzeit planen und welche Elterngeld-Varianten in welchen Monaten sinnvoll sind.

Ich wünsche allen werdenden Eltern viel Freude bei ihren Planungen der Elternzeit, eine schöne Schwangerschaft und einen guten Start in das neue Familienleben.

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Verena Dias, Diplom-Kauffrau und Gründerin von Bambini & Business.
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Bambini & Business bietet die Info-Veranstaltung „Elternzeit, Elterngeld & Co.“ sowie individuelle Einzelberatung für werdende Eltern an. Darüber hinaus veranstaltet sie regelmäßig die Reihe „Zurück in den Job“ mit wechselnden Schwerpunktthemen wie beruflicher Wiedereinstieg nach der Elternzeit, berufliche Neuorientierung, Jobsuche und Bewerbungen sowie der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit für Mütter.

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