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Emotionale Gesundheit von Kindern – die fünf Lernschritte

Emotional gesundes Kind
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Was brauchen kleine Kinder um sich emotional gesund zu entwickeln? Welche Lernerfahrungen müssen sie machen, um ein positives Selbstbild zu entwickeln und alle seelischen Voraussetzungen zu haben um mit den Anforderungen des Lebens umgehen zu können? Und noch wichtiger: Was brauchen unsere Kinder um erfüllte und tiefe Beziehungen führen zu können und fähig zu sein Zufriedenheit zu empfinden?

Wirklich die meisten Menschen möchten das Beste für ihre Kinder. Nur was das genau ist und erst recht, wie man das erreicht – da klaffen die Meinungen weit auseinander.

Dami Charf, renommierte Traumatherapeutin nennt in ihrem Buch „Auch alte Wunden können heilen“ fünf Lernschritte und daraus resultierend fünf Kompetenzen, die kleine Kinder im besten aller Fälle in den ersten Lebensjahren machen:

Schritt 1: Sicherheit und Willkommensein

Die erste Zeit im Leben eines kleinen Menschen beeinflusst seine Weltsicht enorm. Hier klären sich grundlegende Fragen wie die Welt ist und welche Rolle der einzelne Mensch in ihr spielt.

Ist die Welt ein freundlicher Ort, an dem ich willkommen bin?

Oder ist sie bedrohlich und ich muss selbst um die elementarsten Dinge kämpfen?

In der Psychologie werden diese ersten Erfahrungen „Priming“ genannt und sie sind gewissermaßen die golden oder düster gefärbte Brille, die jemand auf seiner Lebensreise aufgesetzt bekommt und durch die er die Welt fortan betrachtet.

Im Mutterleib möchte der wachsende Fötus spüren, dass er willkommen ist. Er möchte weder mit Alkohol, Nikotin, Drogen oder Stresshormonen bedroht oder gar vergiftet werden.

Es möchte selbst entscheiden, wann es geboren wird und die Geburt möglichst selbstwirksam und interventionsarm erleben. (Dass das nicht immer möglich ist, ist klar, aber es spielt im Erleben des Säuglings eben eine nicht unerhebliche Rolle und jede Intervention braucht nach der Geburt Gefühlsbegleitung.)

Am wohlsten fühlt sich das frisch geborene Kind direkt auf der nackten Haut der Mutter oder einer anderen Bezugsperson im abgedunkelten Raum. Im Idealfalle darf es sich nach der Geburt zur Brust bewegen und dort das erste Mal Muttermilch trinken um sich danach dann einige Stunden ungestört im Hautkontakt erholen zu können.

Die Lernkompetenzen, die es in dieser Phase erwirbt sind:

Die Welt ist ein sicherer Ort.

Ich bin willkommen und gehöre hierhin.

Ich kann Menschen vertrauen.

Schritt 2: Bedürfnisse und Sattsein

Was emotionale und körperliche Bedürfnisse angeht, leben wir in der westlichen Welt in einer absoluten Mangelgesellschaft. Das überbordende Konsumverhalten ist meines Erachtens eine Folge davon. Wir haben NIE GENUG. Wir SIND nie genug. Und diese Unverbundenheit mit dem eigenen Sein, seinem Körper, seinem Geist und seiner Seele wird an die nächste Generation weiter gegeben. Natürlich nicht aus Böswilligkeit, sondern weil die Seele der Eltern ungeheilte Wunden hat und die „Weltsicht-Brille“ stellenweise dunkel verfärbt ist.

Wenn Säuglinge absichtlich nicht hochgenommen werden, wenn sie weinen, damit sie lernen, dass sie den Eltern nicht „auf der Nase rumtanzen können“. Wenn sie die meiste Zeit im Kinderwagen, Maxi-Cosi, Wippen oder Spiele-Decken liegen, anstatt an einem vertrauten, warmen Körper Bindungs- und Selbsterfahrungen zu machen. Wenn angenommen wird, dass Babys schreien sollen, damit sie schneller durchschlafen.

Ich stelle an dieser Stelle gerne das Gedankenexperiment an, wie es wäre querschnittsgelähmt zu sein und unfähig zu sein, zu sprechen. Wie würde ich mir wünschen, dass sich Pflegepersonen mir gegenüber verhalten? Wie würde es sich wohl anfühlen nicht mitteilen zu können, ob gerade die Hose drückt, ein Haar kitzelt, ich Appetit auf Kuchen habe, mir die Musik zu laut ist, ich Sehnsucht nach Berührung und Interaktion habe…? Was würde ich brauchen, um mich in dieser absoluten Hilfslosigkeit einigermaßen wohl zu fühlen?

Wenn Eltern feinfühlig und prompt auf die Signale ihres Babys reagieren, sie in Liebe BADEN, machen Babys folgende Lernerfahrungen:

Ich weiß, was ich brauche.

Jemand ist für mich da.

Meine Gefühle und meine Körpersignale werden wahr- und ernst genommen.

Ich bin genug.

3. Schritt: Hilfe annehmen können

Wenn ein Baby zum Kleinkind wird und beginnt die Welt zu entdecken, verändern sich oft die Reaktionen, die es erfährt. Es hört nun viele „Neins“.

Das Kleinkind braucht immer noch viel Unterstützung und Hilfe, möchte aber andererseits viel alleine machen und seine Selbstwirksamkeit erfahren. Die Sättigung dieser beiden konträren Pole verlangt Eltern viel Feingefühl und Reflexionsvermögen ab.

Traditionell werden Kinder in unserer Gesellschaft was motorische Entdeckungen angeht, überbehütet und ausgebremst. Zu groß ist die Angst, dass etwas passieren könnte. In emotionalen Belangen wie in den Schlaf begleitet zu werden und überhaupt jeder Form von emotionaler Abhängigkeit wird hingegen früh Eigenständigkeit erwartet und forciert.

Wenn ein Kind etwas technisch selbst machen kann, ist die Erwartung oft, dass es dies nun auch immer ALLEINE tut. Wenn ein Kind Unterstützung fordert, wird diese manches Mal verweigert. Oder es wird Unterstützung gegeben, diese ist jedoch mit einer Abwertung und Kritik verbunden, ob mit Worten oder auch nur  in Mimik und Gestik der Bezugspersonen.

Ein Kind braucht weder ausschließlich Wurzeln, noch ausschließlich Flügel. Es braucht beides und das auch noch im richtigen Maß zur richtigen Zeit.

Wenn Eltern ihre Kinder einerseits unterstützen, wenn es um Hilfe bittet und andererseits den Raum schaffen, dass das Kind immer wieder eigene Erfahrungen machen kann, wenn es das möchte, lernt ein Kind folgendes:

Ich darf Dinge ausprobieren und herausfinden, ob ich sie meistern kann (oder möchte).

Ich darf um Hilfe bitten und es wird mir nicht als Schwäche ausgelegt.

Ich bin geliebt, egal was ich kann oder tue, einfach, weil ich bin wie bin.

Ich bin stark, weil ich weiß, was ich brauche und weil ich fühle, wo meine Grenzen sind und wo ich Unterstützung möchte.

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4. Schritt: Selbständigkeit und Verbundenheit

Eine absolut wichtige Fähigkeit für das ganze weitere Leben ist die Überzeugung der eigenen Selbstwirksamkeit, also dem Glauben die Umwelt durch die eigene Kraft positiv beeinflussen zu können.

Durch immer wieder erfahrene Hilflosigkeit in emotional überwältigenden Situationen, in denen Kinder alleine gelassen werden (Beispiel „Stille Treppe“ oder andere Formen der isolierenden Bestrafung), können Kinder lernen, dass sie dauerhaft hilflos und ausgeliefert sind. Dieses Gefühl nehmen sie dann mit in ihr Erwachsenenleben.

Die Trotzphase mit der Entdeckung des „Neins“ ist ein wichtiger Bestandteil dieser Lernaufgabe, denn ein Nein zu Anderen ist das Ja zu sich selbst.

Wenn Kinder diese eigene Kraft nicht spüren dürfen, verlieren sie den Kontakt zu sich selbst. Sie müssen sich selbst aufgeben, um die Beziehung zu ihren Bezugspersonen positiv gestalten zu können. Das Explorationsverhalten des Kindes wird zugunsten der Beziehung eingeschränkt.

Positive Lernaufgaben für diese Zeit sind:

Ich darf ich sein, eigene Erfahrungen machen und werde geliebt wie ich bin.

Ich darf Nein sagen und werde gehört und ernst genommen.

Ich kann mit meinem Verhalten das Leben meiner Familie beeinflussen, aber ich bin nicht verantwortlich für die Gefühle meiner Eltern.

5. Schritt: Liebe und Sexualität

Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr entdecken Kinder ihren Körper. Sie probieren Rollen aus und „flirten“ auch. Sie lernen viel über ihre Gefühle und beginnen, diese auszudrücken. Auch von den Eltern möchten sie als sinnliche Wesen wahrgenommen werden und das selbstverständlich ohne dass es zu Grenzüberschreitungen kommt.

Über einen „besten Freund“ oder eine „beste Freundin“ freuen sich Eltern meistens, aber wenn Kinder Liebesgefühle oder gar erotische Gefühle wahrnehmen und ausdrücken, verunsichert das die meisten Eltern.

Aufgrund eigener vom Körper entkoppelter Erfahrungen fällt es vielen Eltern schwer ihre Kinder zu begleiten und aus Angst vor Missbrauch wird Erziehern verboten Kinder in den Arm zu nehmen und Kindern untereinander sich auf dem Schulhof ihre Zuneigung zu bekunden (wie es an manchen Schulen in den USA gängig ist).

Für ein Kind wichtig ist es aber weder in seiner Sinnlichkeit abgelehnt zu werden noch frühzeitig sexualisiert zu werden.

Im besten aller Fälle erfährt das Kind:

Meine sexuellen Gefühle sind gut und ich darf sie äußern.

(Natürlich muss hier oft achtsam ein „Feintuning“ über Zeit und Ort des Ausdrucks vorgenommen werden.)

Es passieren nur Dinge, die schön sind und ich habe Einfluss auf das was geschieht.

Liebe und Sinnlichkeit gehören zusammen.

Ich kann Liebe empfangen und geben, aber mein Herz bleibt immer mein eigenes und kann mir nicht weg genommen werden.

Familienbegleitung

Als Familienbegleiterin, Still- und Trageberaterin ist es mir ein großes Anliegen Ihnen als Eltern in dieser wichtigen Zeit zur Seite zu stehen. Wenn das Stillen nicht klappt. Wenn Sie nicht wissen wie Sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen (Unsicherheit gehört zum Elternsein dazu!). Wenn es immer wieder kehrende Konflikte gibt, die Ihr Familienleben beeinträchtigt. Mein Wunsch ist es Sie zu stärken und mit Ihnen gemeinsam Wege zu finden, die die Bedürfnisse aller Familienmitglieder mit einschließen.

Lesen Sie auf meiner Homepage mehr über mich und wie ich arbeite. Oder rufen Sie mich – kostenfrei und unverbindlich – einfach an.

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Natascha Makoschey

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