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Gesundes Essverhalten bei Kindern

Bild zeigt Jungen, der Trauben isst
© seo im auf Pixabay

Die richtige Ernährung, gibt es die überhaupt? Mit Fleisch, vegetarisch, vegan, Paleo, zuckerfrei,… die Möglichkeiten scheinen endlos. Und für jeden Ernährungsstil gibt es leidenschaftliche Verfechter mit mal mehr, mal weniger sinnvollen Erklärungen. Um euren Kindern ein gesundes Essverhalten beizubringen, braucht ihr glücklicherweise keine Ernährungsberatungsausbildung oder gar ein Studium. Wenn ihr ein paar einfache Richtlinien befolgt, befindet euer Liebling sich auf einem guten Weg, ein gesundes Verhältnis zu Nahrung zu entwickeln.

Ihr bestimmt die Auswahl

Euer Kleinkind sollte keinen ungehinderten Zugang zu den Nahrungsmitteln haben, stattdessen bestimmt ihr, was gekauft wird und wann es zubereitet wird. Das heißt natürlich nicht, dass ihr euren Schatz bis zur nächsten Mahlzeit hungern lasst, wenn er besonders viel Energie beim Spielen verbraucht und Hunger hat oder krank war.

Habt ihr einen ungefähren Überblick darüber, wie euer Kind sich ernährt, spricht auch nichts dagegen, wenn der ungesunde Lieblingssnack ab und an im Einkaufswagen landet. Enthaltet ihr ihm diesen immer vor, besteht die Gefahr, dass er sich bei erster Gelegenheit damit vollstopft und eine ungesunde Beziehung zu „belohnenden“ Snacks entwickelt.

Euer Kind kann daraus frei wählen

Wenn ihr den Essensplan für die Woche macht oder euch spontan überlegt, was ihr heute kochen wollt, könnt ihr eurem Kind zum Beispiel die Entscheidung überlassen, welche Gemüsebeilage es geben soll – Möhren oder Blumenkohl? Auch während der Mahlzeit kann es frei entscheiden, was es und wie viel es davon essen möchte. Um Augen größer als der Magen zuvorzukommen, könnt ihr zum Beispiel kleinere Teller benutzen.

Erzwingt auf keinen Fall, dass es eine Schüssel Salat leer essen oder aufessen muss, bevor es den Tisch verlässt – eine Essstörung ist dann schnell entwickelt. Wenn euer Kind übergewichtig ist, könnt ihr es trotzdem aus eurer Auswahl frei entscheiden lassen, schließlich könnt ihr so kochen, dass es sich kalorienärmer trotzdem sattessen kann und nicht hungern muss.

Auch wenn es einmal keinen Hunger hat, ist das völlig in Ordnung. Wir haben schließlich alle mal einen Tag, wo sich der Appetit nicht so recht einstellen will und wir nur das nötigste essen – wenn überhaupt.

Früh übt sich gesundes Essverhalten

Seine Essvorlieben wird euer Kind früh in seinem Leben entwickeln. Wenn ihr ihm deswegen von Anfang an eine altersgerechte Auswahl anbietet, kann seine Geschmackspalette sich besser entwickeln, als wenn es in den ersten drei Jahren nur fünf Nahrungsmittel kennen lernt. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ihr eurem Schatz ein Essen öfter servieren müsst, bis es ihm schmeckt. Wenn es partout keine rote Bete mag, dann mag es sie nicht und das ist auch in Ordnung. Schmeckt sie euch, bereitet sie trotzdem weiter zu und bietet vielleicht eine kleine Alternative an, damit euer Kind frei wählen kann, was es essen möchte.

Untypische Kindermenüs

Wenn ihr auswärts essen seid, bieten die meisten Restaurants nur die üblichen Kindermenüs an. Pommes, Pizza, Nuggets und Co. sind gern gesehene Gäste auf Kindertellern, auf Dauer aber sowohl langweilig als auch einschränkend. Ihr könnt nach einer kleinen Portion eines anderen Gerichtes fragen, euer Kind bei euch mitessen lassen oder Vorspeisen bestellen. Praktisch in solchen Fällen sind auch Buffets, da ihr so mehr Auswahl habt und die Menge dem Appetit eures Sonnenscheins anpassen könnt.

Kalorienarm oder –frei trinken

Abgesehen von Wasser oder ungesüßten Kräutertees haben Getränke Kalorien. Besonders Softsdrinks oder künstlich gesüßte Säfte können für eine zu hohe Kalorienzufuhr verantwortlich sein und auch den Zuckerhaushalt durcheinander bringen. Wasser und ungesüßte Tees sind gute Durstlöscher und bieten eine weite Bandbreite an Geschmacksoptionen, damit es nicht langweilig wird. Wenn eurem Kind Wasser zu langweilig ist, könnt ihr es mit einer Zitronen- oder Gurkenscheibe pimpen oder ein paar frische Beeren dazu geben.

Nachtisch ist keine Belohnung

Wenn euer Kind die Hauptmahlzeit isst, um an den süßen Nachtisch heran zu kommen, wird es kein gesundes Essverhalten entwickeln. Dessert ist eine tolle Erfindung, muss aber nicht jeden Tag sein und sollte vor allem nie als Druckmittel genutzt werden, damit der Teller leer gegessen wird. Andersherum sollte der Nachtisch auch nicht zum Hungerstillen genutzt werden, indem euer Kind ein paar Happen der Hauptmahlzeit zu sich nimmt und sich dann zum Beispiel mit Pudding satt isst.

Liebe geht nicht nur durch den Magen

Natürlich ist es ein Liebesbeweis, wenn ihr das Lieblingsessen eures Kindes extra zubereitet – und das ist auch überhaupt nicht verkehrt. Wird Essen dagegen als Belohnung oder Trost genutzt oder ersetzt die elterliche Zuneigung, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Mindful Eating für gesundes Essverhalten

Eigentlich ist das gar nicht so eine neue Bewegung, wie es so oft scheint. Zumindest nicht wenn ihr es mit eurem Kind in der Alltagsvariante nutzt: Statt vor dem Fernseher zu essen und sich einfach die Nahrung herein zu schaufeln, sitzt ihr gemeinsam am Tisch und unterhaltet euch. Besonders für Familien, in denen jemand berufstätig ist oder zur Schule geht, ist diese Zeit toll, um der Familie näher zu kommen. Warum sollte man das für eine Sendung im TV opfern? Und wenn es einmal eine ganz tolle oder wichtige ist, kann man sie immer noch aufnehmen, streamen oder isst ausnahmsweise einmal vorher oder nachher.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch aber auch immer mal wieder mit eurem Kind hinsetzen und euch ganz auf das Essen konzentrieren. Wie fühlt sich der Apfel in seinem Mund an und schmeckt es besser, wenn die Möhre gekocht oder roh ist? Für die sprachliche Entwicklung eures Lieblings können diese Übungen dazu ebenfalls hilfreich sein.

Vorbildsein

Wie immer ist eine der wichtigsten – wenn nicht sogar die wichtigste – Richtlinien, dass ihr eurem Kind ein gutes Vorbild seid. „Tu, was ich sage, nicht, was ich mache“, macht leider nie Sinn und für Kinder schon einmal gar nicht.

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