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Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Frau wird von Chefin über den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz aufgeklärt
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Die Expertin der Crew klärt euch kurz, knapp und bündig über Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz auf. Dieser beginnt bereits vor der ersten Schwangerschaft in der Belegschaft durch eine Gefahrenbeurteilung.

Der Mutterschutz beginnt vor der Schwangerschaft. Deshalb ist euer Arbeitgeber dazu angehalten, unabhängig von eurer Schwangerschaft im Vorfeld eine innerbetriebliche Gefahrenquellenbeurteilung aufzustellen. Dabei soll geklärt werden, ob im Allgemeinen Gefährdungen für eine schwangere oder stillende Frau und ihr Kind bestehen und ob mutterschutzrechtliche Maßnahmen erforderlich sind. Ihr könnt euch jederzeit vorsorglich über etwaige Gefahrenquellen bei eurem Arbeitgeber informieren.

Sind mehr als drei Frauen im Betrieb oder Unternehmen tätig, muss eine Kopie dieses Gesetzes gut sichtbar aushängen oder der Zugriff auf eine elektronische Datei möglich sein.

Schwangerschaftsmitteilung an den Arbeitgeber

Ihr seid frei darin, wann ihr eurem Arbeitgeber von einer Schwangerschaft erzählt. Bedenkt nur, hier gilt im Grunde tatsächlich, je früher desto besser. So hat euer Arbeitgeber die Möglichkeit, Vorbereitungen und Vorkehrungen entsprechend de Mutterschutzgesetzes zu treffen und etwaige Gefahrenquelle aus eurem Arbeitsumfeld zu beseitigen.

Genügt eurem Arbeitgeber eine mündliche Erklärung nicht und er verlangt zusätzlich die Bescheinigung durch einen Arzt, muss er für deren Kosten selbst aufkommen. Es ist ihm nicht erlaubt, Dritten Informationen über eure Schwangerschaft zu geben.

Befindet ihr euch gerade im Bewerbungsprozess, müsst ihr auch auf Nachfrage eines potenziellen Arbeitgebers nichts über eure Schwangerschaft sagen.

Persönliches Gespräch mit dem Arbeitgeber

Nachdem ihr euren Arbeitgeber von der Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt habt, ist er verpflichtet, euch über die Gefahrenquellenbeurteilung im Betrieb zu informieren. Weiter muss er euch ein persönliches Gespräch anbieten, in dem ihr gemeinsam über eure Arbeitsbedingungen sprecht, damit diese ggf. euren individuellen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden können.

Dieses Gespräch solltet ihr in jedem Fall nutzen, um vielleicht auch schon über Themen wie Elternzeit zu sprechen. Eventuell könnt ihr auch schon grobe Vereinbarungen treffen, wann ihr ins Unternehmen zurückkehrt. Das Gespräch mit eurem Arbeitgeber wird hilfreich sein, um Familie und Berufsleben unter einen Hut zu bringen.

Gesundheitsschutz für Arbeitnehmerähnliche Personen

Einige von euch sind bestimmt selbstständig tätig. In manchen Situationen kann eine Selbstständigkeit zu einer wirtschaftlichen Unselbständigkeit führen und ihr seid für diesen Fall als arbeitnehmerähnliche Person anzusehen. Aufgrund der Selbstständigkeit kommt es zu keinem Beschäftigungsverbot. Ihr werdet schlicht von eurer Leistungspflicht gegenüber eurem Vertragspartner befreit. Dies ist allerdings kein Zwang wie im regulären Mutterschutz. Es steht euch frei, an der vertraglich vereinbarten Leistungspflicht festzuhalten. Ihr müsst es eurem Vertragspartner lediglich mitteilen.

Diese Freiheit kommt zustande, da ihr als selbständig Erwerbstätige ohnehin frei über eure soziale Absicherung entscheidet. Das soll sich auch im Falle einer Schwangerschaft nicht ändern.

Solltet ihr euch für die Befreiung von eurer vertraglichen Leistungspflicht entscheiden, so entfällt diese auch für euren Vertragspartner. Er muss euch dann nicht die vereinbarte Vergütung zahlen.

Schülerinnen und Studentinnen

Die Regelung des Mutterschutzes gilt für Schülerinnen und Studentinnen nur eingeschränkt. Voraussetzung ist zunächst, dass die Schule oder Hochschule Zeit und Ort, sowie die zu besuchenden Veranstaltungen verpflichtend durch einen Stundenplan vorgibt. Das schließt auch schulische oder universitäre Pflichtpraktika mit ein.

Der Mutterschutz weicht hier auch bezüglich der Arbeitszeiten von den Regelungen ab. Nach der Geburt eures Kindes seid ihr nicht daran gehalten, eure schulische Ausbildung oder das Studium zu pausieren. Das heißt, die regulären Schutzfristen nach der Entbindung gelten nicht so streng. Wenn ihr der zuständigen Stelle oder Person, zum Beispiel eurer Schule, ausdrücklich mitteilt, dass ihr die Ausbildung oder das Studium fortsetzen wollt, steht es euch frei, dies zu tun. Ihr könnt diese Entscheidung für die Zukunft jederzeit widerrufen.

In Heimarbeit beschäftigte Frauen

Regelungen zum Gesundheitsschutz gelten für Frauen in Heimarbeit nur eingeschränkt. Das gilt ebenso für ihnen Gleichgestellte (mehr dazu könnt ihr im Heimarbeitgesetz. § 1 Absatz 1 und 2 nachlesen). Geht ihr einer Tätigkeit in Heimarbeit nach, schafft ihr eure Arbeitsbedingungen selbst. So seid ihr auch für den Gesundheitsschutz an eurem Arbeitsplatz selbst verantwortlich. Dies ist nur anders, sofern euer Arbeitgeber auf irgendeine Art und Weise Einfluss auf die Bedingungen an Arbeitsplatz hat, wie es zum Beispiel beim Home Office der Fall ist.

Anders als in einem regulären Arbeitsverhältnis ist euer Arbeitgeber auch nicht verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung aufzustellen. Trotzdem ist er nicht völlig von der Pflicht befreit, euch und euer Kind zu schützen. Die allgemeinen Regeln im Rahmen der Arbeitszeit müssen von ihm eingehalten werden.

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