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Ich fremdele schon

Kind fremdelt
© Brandless on Unsplash

Viele Eltern – und besonders Mütter – werden als zu anhänglich betitelt, wenn ihr Baby zu fremdeln beginnt. Dabei ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt für euer Baby, der ganz natürlich ist. Wie ihr gemeinsam am besten mit dem Fremdeln umgeht, erfahrt ihr hier.

Das heißt Fremdeln

Die meisten Babys sind ca. 8 Monate alt, wenn sie anfangen, Fremden zu misstrauen. Früher hat euer Baby noch freudestrahlend auf den täglichen Besuch des Paketboten reagiert oder die Faxen des Fremden im Bus neugierig beobachtet. Und jetzt sind diese Begegnungen so ziemlich das schrecklichste, was eurem Sonnenschein passieren kann.

Wenn euer Kind misstrauischer auf fremde Menschen reagiert, bedeutet es, dass es verstanden hat, wer seine vertrauten Bezugspersonen sind – es kann euch nicht nur erkennen, sondern auch von anderen unterscheiden. Manchmal sind aber auch Bezugspersonen davon betroffen, die euer Kind eigentlich gut kennt, aber für seinen aktuellen Entwicklungsstand zu selten sieht: Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Elternteil tagsüber lange arbeiten ist und sich nur kurz vor dem Zubettgehen mit eurem Baby beschäftigen kann. Besonders schlimm ist es auch oft für die Großeltern, die früher beim Wochenendbesuch ein Lächeln bekommen haben und jetzt nur noch mit herzzerreißenden Weinen begrüßt werden.

Sobald euer Kind anfängt zu fremdeln, beginnt eine Art natürliche Sicherung aktiv zu werden: Das grundlose Urvertrauen verschwindet und euer Baby vertraut nur noch den Personen, die es in seinen Augen auch verdient haben. Selbst im Erwachsenenalter meldet sich dieser Instinkt noch bei uns und wir werden scheinbar grundlos misstrauisch, wenn wir jemanden begegnen.

Fremdeln wird individuell ausgedrückt

Wie stark euer Kind fremdelt, hängt stark von seinem Charakter ab. Manche Kinder sind von Natur aus schüchterner und zurückhaltender, wenn sie auf Fremde treffen. Andere Kinder sind neugierig auf ihre Umwelt und wollen alles sofort erkunden, reagieren dann aber besonders gestresst auf einen unbekannten Kontakt, wenn sie einen schlechten Tag haben – oder Hunger, müde sind, die Windeln vollhaben, die Möglichkeiten sind so gut wie endlos.

Wenn euer Kind fremdelt, kann es zum Beispiel folgende Verhaltensweisen an den Tag legen:

  • Ängstliches Anstarren
  • Versteifen
  • Schutzsuchen bei der engsten Bezugsperson
  • Kontaktverweigern/Ignorieren
  • Weinen
  • Schreien
  • Schlechte Laune

Wenn euer Kind sich dann hinter euch oder auf euren Arm gerettet hat, kann die Angst beinahe sofort in Neugier umschlagen und die bedrohliche Person wird interessiert beäugt. Solange sie dann nicht näher kommt oder zurück starrt, wird sich euer Schatz auch wohlfühlen und sich mit der Situation anfreunden können. Wenn er dann von sich aus Kontakt aufnimmt, kann dieser auch vorsichtig erwidert werden.

Besonders wenn jemand nicht so viel Erfahrung mit Kindern hat oder geknickt wirkt, solltet ihr ihm erklären, warum euer Kind so reagiert und wie er damit am besten umgehen kann. Übrigens: Reagiert die andere Person negativ darauf und beschimpft euer Kind sogar als unsozial, könnt ihr es eurem Kind gleich tun und den restlichen Kontakt verweigern.

Der beste Umgang

Nach ein paar Jahren ist das Fremdeln dann – zumindest zum größten Teil – ausgestanden und euer Liebling geht wieder so offen mit seiner Umwelt um, wie es seinem Charakter entspricht. Bis dahin habt ihr verschiedene Möglichkeiten, wie ihr ihm durch diese beängstigende Zeit helfen könnt.

Begegnet der Angst eures Babys auf jeden Fall verständnisvoll und gebt ihm den Schutz, den es bei euch sucht. Es zu zwingen, auf fremde Person einzugehen oder sogar auf den Arm vom Opa genommen zu werden, wenn es das nicht will, bringt niemanden etwas. Im schlimmsten Fall verliert euer Kind so das Vertrauen in euch. Das kann auch passieren, wenn ihr euch darüber lustig macht oder es sogar bestraft – aber das ist sowieso unvorstellbar oder?

Nehmt euch Zeit für euer Baby, redet ruhig mit ihm, streichelt ihm über das Köpfchen oder den Rücken. Oft hilft es auch, wenn ihr zusammen ein paar Schritte zurückgeht, damit der Sicherheitsabstand größer wird.

Dazu ist auch Zeit geben wichtig. Vielleicht reagiert euer Sonnenschein nach ein paar Minuten schon etwas offener, vielleicht braucht es mehrere Treffen dafür. Beides ist vollkommen in Ordnung. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass lange Zeit alles gut ging und dann war die Tante zu lange nicht mehr da und die Angst kommt erst einmal zurück.

Am besten achtet ihr auch darauf, dass ihr entspannt bleibt und der anderen Person positiv begegnet. Ein freundliches Hallo oder eine kurze Unterhaltung zeigen eurem Kind, dass ihr alles im Griff habt und die andere Person keine Gefahr darstellt.

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