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Stillen während der Arbeit

Frau stillt während der Arbeit
© 🇸🇮 Janko Ferlič on Unsplash

Nach der Geburt eures Kindes und dem Ende der Schutzfrist könnt ihr frei wählen, ob ihr euer Beschäftigungsverhältnis wieder aufnehmen wollt oder es vorzieht, direkt in Elternzeit zu gehen.

Auch wenn ihr euer Kind stillt, könnt ihr an euren Arbeitsplatz zurückkehren. Sollte es so sein, teilt es eurem Arbeitgeber aber in jedem Fall mit, damit er die nötigen Vorkehrungen zum Stillschutz treffen kann. Er muss euch auch während der Stillzeit so beschäftigen, dass sich daraus keine Gefährdungen für euch oder euer Kind ergeben. Wie bei der Schwangerschaft muss die zuständige Behörde von eurer Stillzeit Kenntnis erlangen und euer Arbeitgeber ist wieder dazu verpflichtet, das Gespräch mit euch zu suchen. Es wird wieder um angepasste Arbeitsbedingungen gehen, die euren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Auch hier heißt es, nutzt das Gespräch! Habt ihr besondere Beeinträchtigungen, können diese von eurem Arzt bestätigt werden.

Stillgerechte Arbeitszeiten

Auch nach der Geburt eures Kindes gelten in Bezug auf eure Arbeitszeiten besondere Regelungen. Jetzt ist es ebenso wichtig, Arbeitsbedingungen anzupassen, damit eure Stillzeit und Berufstätigkeit miteinander vereinbar sind. Im Grunde kann man sagen, während der Stillzeit gelten dieselben Grundsätze wie auch für den Gesundheitsschutz zur Zeit eurer Schwangerschaft.

Für Untersuchungen, die nach der Geburt erfolgen, hat euer Arbeitgeber euch auch jetzt freizustellen. Ihr müsst allerdings beachten, dass es sich um Untersuchungen handeln muss, die laut der gesetzlichen Krankenversicherung erforderlich sind. Euer Lohn darf nicht gekürzt werden, wenn ihr diese wahrnehmt.

Der Mutterschutz gewährt darüber hinaus Stillpausen während der ersten zwölf Monate nach der Geburt. Entweder einmal täglich eine Stunde oder zweimal täglich eine halbe Stunde. Arbeitet ihr einen vollen Tag durchgehend, d.h. acht oder mehr Stunden am Stück, ist auf euren Wunsch hin zweimal eine Stillpause von 45 Minuten vorgesehen, bzw. einmal neunzig Minuten, falls in unmittelbarer Nähe kein geeigneter ruhiger Platz zum Stillen verfügbar ist. Von zusammenhängender Arbeitszeit wird gesprochen, wenn sie nicht durch eine Pause von mehr als zwei Stunden unterbrochen wird.

Unterschiede ergeben sich im Vergleich zur Zeit eurer Schwangerschaft mit Blick auf die Lage der Arbeitszeiten und dem Recht zur Mitsprache. Teilt ihr eurem Arbeitgeber ausdrücklich mit, dass ihr zur Arbeit nach 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen bereit seid, darf er euch beschäftigen, sofern dem nach ärztlichem Zeugnis nichts dagegen spricht. Allerdings muss er euch zusätzlich zur elfstündigen Nachtruhe einen Ersatzruhetag in jeder Woche gewähren. Das Verbot von Alleinarbeit wie es in der Schwangerschaft vorgesehen ist, gilt während der Stillzeit nicht fort.

Mutterschutzgerechte Arbeitsbedingungen

Schutzbestimmungen, die im Betrieb während der Schwangerschaft durch den Mutterschutz geregelt sind, gelten in der Regel auch während der gesamten Stillzeit weiter. Denn es ist auch jetzt wichtig, dass ihr und euer Neugeborenes am Arbeitsplatz geschützt seid. Wie zur Zeit eurer Schwangerschaft darf euer Arbeitgeber euch auch jetzt keinen Situationen am Arbeitsplatz aussetzen, aus denen sich eine Gefährdung für euch oder euer Kind ergeben könnte – egal ob physischer oder psychischer Art. Dazu gehören zum Beispiel: belastende Arbeitsumgebungen, Biosstoffe, chemische Stoffe, Strahlungen, ein vorgeschriebenes Arbeitstempo im Rahmen bestimmter Tätigkeiten, Fließbandarbeit etc.

Eine Abweichung von Schwangerschaft und Stillzeit besteht hinsichtlich einer Ausübung von Tätigkeiten, welche körperlich belasten, denn in der Stillzeit ist kein besonderer Schutz des ungeborenen Kindes mehr erforderlich.

Es kann sein, dass ihr euch in der ersten Zeit nach der Geburt noch nicht voll leistungsfähig seht. Ist dies der Fall, besteht die Möglichkeit, sich darüber eine Bescheinigung beim Arzt einzuholen. Wichtig ist dabei, dass die herabgesetzte Leistungsfähigkeit vom Mutterdasein her rührt und keinen anderen Ursprung hat. In der Bescheinigung sollten alle wichtigen Faktoren enthalten sein, die ein ärztliches Beschäftigungsverbot begründen.

Dies kann bis zu sechs Monate nach der Entbindung erteilt werden. Ein Unterschied besteht, wenn ihr arbeitsunfähig krank seid. Dann attestiert eure Frauenärztin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

In keiner der genannten Situationen müsst ihr euch Gedanken um eure finanzielle Situation machen. Ein Anspruch auf Mutterschutzlohn besteht weiter fort.

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