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Traditionelle Geburtsarten

Traditionelle Geburtsart
© Sanjasy auf Pixabay

War die Wahl des Geburtsorts für euch schon schwer, dann habt ihr bei der Geburtsart erst recht die Qual der Wahl.

Solange eure Schwangerschaft unbedenklich verläuft, habt ihr eine große Auswahl an unterschiedlichen Arten, wie ihr euer Baby gebären wollt – da ist für jeden etwas dabei.

Die Spontangeburt

Zugegeben, diese Geburt sucht ihr euch nicht unbedingt aus, schließlich passiert sie wie von selbst. In den Wochen vor der Geburt spürt ihr ein leichtes, manchmal auch stärkeres Ziehen in eurer Gebärmutter. Sobald eure Fruchtblase geplatzt ist oder eure Wehen in einem Abstand von etwa 10 Minuten kommen, steht die Geburt an. Je nachdem, wo ihr euer Kind zur Welt bringen wollt, macht ihr euch auf den Weg dorthin oder benachrichtigt die Hebamme, damit sie zu euch fährt.

Entbindet ihr auf diesem Weg, kommt euer Baby in eurem Vaginalbereich mit Mikroorganismen in Kontakt, die sein Immunsystem stärken. Dazu wird Fruchtwasser, welches sich in seiner Lunge befindet, durch die Kontraktionen eures Körpers heraus gepresst.

Der Kaiserschnitt

Gibt es Bedenken über eine natürliche Geburt, wird euch zu einem Kaiserschnitt geraten werden. Verschiedene Gründe können dazu führen, dass euch nahe gelegt wird, euer Baby über diesen Weg auf die Welt zu bringen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Mehrlingsschwangerschaften

  • Steiß-/Querlage des Kindes

  • Missverhältnis zwischen mütterlichen Becken und kindlichen Kopf

  • Muttermund liegt hinter der Plazenta

  • Ansteckende Krankheiten der Mutter

  • Operationen der Gebärmutter

  • Angst vor der Geburt oder den Schmerzen

  • Risikoschwangerschaften

Entscheidet ihr euch für einen Kaiserschnitt, erfolgt dieser zwischen einer Woche und zehn Tagen vor dem errechneten Geburtstermin. Ansonsten ist die Chance einer spontanen Geburt zu hoch.

Da genug Zeit für Vorbereitungen herrscht, könnt ihr ganz entspannt in das Krankenhaus fahren und eine Schmerzbetäubung durchführen lassen. Dank der Periduralanästhesie, die den meisten als PDA bekannt ist, könnt ihr die Geburt eures Kindes bei vollem Bewusstsein miterleben, verspürt dabei aber keine Schmerzen – bis auf die Rückenmarkspritze am Anfang.

Anders sieht es aus, wenn ihr Komplikationen bei der Geburt habt. Das können zum Beispiel schwächer werdende Herztöne eures Babys sein, die zu einer Sauerstoffunterversorgung führen können. Auch starke Blutungen können einen Notkaiserschnitt zur Folge haben. Passiert das während der Hausgeburt oder in einem Geburtshaus, werdet ihr sofort ins Krankenhaus gefahren. Sobald ihr dort angekommen seid, erhaltet ihr eine Vollnarkose, da die PDA zu zeitaufwendig ist. Von der Geburt bekommt ihr dann nichts mit.

Ob geplant oder ungeplant, euer Kind kommt durch einen Schnitt in eurer Unterbauchdecke auf die Welt. Dieser Pfannenstielschnitt wird quer über euren Bauch gesetzt – etwas über der Schamhaargrenze.

Vaginale Geburt mit Hilfsmitteln

Wenn ihr euer Kind vaginal auf die Welt bringen möchtet, es aber nicht von alleine schafft, können Arzt oder Hebamme verschiedene Hilfsmittel dazu nehmen. Ein Grund dafür ist zum Beispiel, dass ihr nicht stark genug pressen könnt, da ihr erschöpft seid oder eine körperliche Erkrankung habt.

Eines dieser Hilfsmittel ist die Zange. Eine Geburtszange erinnert an zwei Löffel und weniger an die Zangen, die wir aus dem Werkzeugkoffer kennen. Wenn euer Muttermund vollständig geöffnet und euer Baby mit dem Kopf im Geburtskanal ist, erhaltet ihr eine örtliche Betäubung und einen Dammschnitt – damit die beiden Löffel vaginal eingeführt werden können.

Der Arzt hebt euer Kind dann mit leichten Ziehen und unterstützt so den Geburtsvorgang. Das klingt brutaler, als es tatsächlich ist, denn das Risiko von Verletzungen ist kaum vorhanden. Da das kleine Köpfchen noch formbar ist, um durch den Geburtskanal zu passen, wird es durch die Zange ein bisschen in die Länge gezogen. Dieser Effekt ist nach ein paar Tagen wieder weg und euer Baby erhält seine natürliche Kopfform.

Häufiger als die Geburtszange ist mittlerweile die Saugglocke. Vielleicht kennt ihr diese Art der Geburt als Vakuumextraktion – Saugglockenentbindung klingt aber sehr viel weniger beängstigend.

Euer Körper wird ebenfalls mit örtlicher Betäubung und Dammschnitt vorbereitet. Anstatt zweier Löffel wird eine Metallschale vaginal eingeführt und auf den Kopf eures Babys gelegt. An der Metallschale ist ein Schlauch, der sie mit einer Unterdruckpumpe verbindet. Im Wehenrhythmus erzeugt der Arzt ein Vakuum und zieht euer Kind so langsam aus eurem Körper heraus.

Das Vakuum hinterlässt eine Geschwulst am Köpfchen eures Säuglings und ähnlich wie bei der Zange ist sein Kopf etwas in die Länge gezogen. Auch hier bildet sich dieser Effekt in etwa einer Woche zurück und hinterlässt keine bleibenden Spuren.

Alternative Geburtsarten?

Neben diesen traditionellen Geburtsarten gibt es immer mehr alternative Möglichkeiten, die mehr auf eine Unterstützung der selbstbestimmten Geburt abzielen. Informiert euch bei eurer Hebamme oder Frauenärztin, wie ihr die Schwerkraft nutzen oder auf Medikamente verzichten könntet.

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