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Vater werden ist nicht schwer

Vater liest ein Buch mit Baby
©Photo by Picsea on Unsplash

Dass schwangere Frauen viele verschiedene Emotionen und Veränderungen durchlaufen, ist weitreichend bekannt. Aber auch auf die Väter unter euch kommt einiges zu.

Fühlt ihr euch überfordert, besorgt oder schlichtweg noch nicht bereit? Damit seid ihr bei weitem nicht alleine. Die Schiffsbesatzung hat sich für euch umgehört und einige der häufigsten Fragen und Sorgen sowie deren Antworten zusammengestellt.

Ich freue mich nicht auf mein Kind

Ein Baby zu bekommen bedeutet, dass sich euer Leben grundlegend ändern wird und daran müsst ihr euch erst einmal gewöhnen. Sollte die Schwangerschaft ungeplant gewesen sein, ist diese Veränderung womöglich noch bedrohlicher für euch. Deswegen müsst ihr aber kein schlechtes Gewissen haben.

Aber es gibt Möglichkeiten, wie ihr euch an den Gedanken, Vater zu sein, gewöhnen und euch dann auch auf euren  Nachwuchs und die gemeinsame Zeit freuen könnt.

Kann ich mich überhaupt um ein Baby kümmern?

Niemand kommt mit dem Wissen auf die Welt, wie man sich um ein Kind kümmert – auch Frauen nicht – deswegen gibt es ja so viele Geburtsvorbereitungsklassen und Elternkurse. Je nachdem, wo ihr lebt, könnt ihr ab der 12. Schwangerschaftswoche solche Kurse in Anspruch nehmen. Ebenso gibt es Kurse, die sich nur auf den Tag der Geburt konzentrieren und sogar noch im 8. Monat besucht werden können. Natürlich gibt es auch Kurse, die sich nur an Väter richten und wo ihr ganz unter euch sein könnt.

Die meisten Kurse bringen euch bei, wie man Windeln wechselt und das Baby richtig hält, aber auch Füttern und Schlafen sind beliebte Themenschwerpunkte. Wie ihr einen Kindersitz auswählt und sicher in eurem Auto anbringt sowie die allgemeine Sicherheit in eurem Zuhause könnt ihr ebenso erlernen. Dann gibt es da noch die ganzen Geburtsvorbereitungskurse, die Tipps geben, wie ihr am schnellsten ins Krankenhaus kommt und wie ihr die werdende Mutter während der Wehen unterstützt. Einige Kurse schließen damit ab, dass ihr lernt, wie ihr euch um Mutter und Kind in der ersten Zeit nach dem Krankenhaus kümmern könnt.

Mit das Schönste an all diesen Kursen ist aber, dass ihr andere werdende Väter kennen lernen könnt, die wahrscheinlich ähnliche Gedanken haben werden wie ihr. Alleine das Zusammensein mit Gleichgesinnten kann euch schon helfen. Wichtig ist auch, dass ihr Fragen stellt, wenn ihr unsicher seid – niemand wird euch auslachen und viele werden sicherlich dankbar sein, dass ihr diese Fragen stellt, weil sie auch genau diese Unsicherheit haben.

Werde ich ein guter Papa sein?

Glücklicherweise muss nicht alles von Anfang an perfekt sein – und auch danach nicht. Ihr könnt in kleinen Schritten anfangen und euch selbst in der Vaterrolle neu kennen lernen, während ihr euer Baby kennen lernt. Im Laufe der Jahre werdet ihr eine gewisse Routine und vor allem Sicherheit gewinnen und dann könnt ihr mit all den kleinen und großen Dramen gut umgehen – vom ersten Zahnen, die Einschulung bis hin zum möglichen Liebeskummer oder Schwänzen in der Schule.

Ihr habt Zeit, euren Erziehungsstil zu entwickeln und ihr könnt jederzeit nach Hilfe fragen – in der Familie, im Freundeskreis oder auf Elternabenden.

Viele werdende Väter, die ein schlechtes oder gar kein Verhältnis zu ihrem eigenen Vater hatten, haben Sorge, dass dies automatisch bedeutet, dass sie ein schlechter Vater sein werden. Das stimmt aber nicht. Ihr könnt auch jederzeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ihr meint, dass es euch gut tun könnte.

Verdiene ich genug, um ein Kind aufzuziehen?

Kinder kosten Geld, das ist nichts Neues. Selbst für die allernötigsten Dinge wie Nahrung, Kleidung und Bildung gibt man fast ein Vermögen aus. Und dann möchtet ihr ja auch noch was miteinander unternehmen und ihnen so viele Wünsche wie möglich erfüllen. Ihr könnt den Stress, den diese Geldsorgen auslösen, aber verringern, indem ihr vorplant.

Alleine zu wissen, was alles auf euch zukommt, damit ihr keine Überraschungen erlebt, kann schon helfen. Eltern in eurem Familien- und Freundeskreis geben euch sicherlich gerne Tipps dazu und darüber hinaus könnt ihr zum Beispiel bei eurer Krankenkasse nachfragen, welche medizinischen und beratenden Leistungen sie für euch übernehmen wird. Wenn ihr ein paar Euro pro Woche beiseitelegen könnt, sobald ihr wisst, dass ihr Eltern werdet, könnt ihr auch schon einmal ein kleines Polster ansparen.

Es gibt dazu aber auch viele kleine Tipps, wie ihr Geld sparen könnt. Wenn euer Baby gestillt wird, spart ihr das Geld für Babybreis und schöne Kleidung und Möbel könnt ihr auch Second Hand kaufen.

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Ferienabenteuer
Vater mit Kind am Strand
©Photo by Derek Thomson on Unsplash

War es das mit meiner Freiheit?

Vater zu werden bedeutet nicht, dass ihr eure Unabhängigkeit für immer verlieren werdet. Natürlich werdet ihr anfangs wenig Schlaf bekommen und euch auch nicht so viel um euch kümmern können. Aber mit der Zeit entwickelt eure Familie ihre eigene Routine, euer Kind wird länger am Stück schlafen und dann habt ihr auch wieder mehr Zeit – und Energie – für euch.

Es ist aber auch sehr schön, Zeit mit eurem Säugling zu verbringen; gemeinsam mit ihm die Welt zu entdecken, ist ein tolles Abenteuer und bedeutet eine ganz neue Freiheit für euch.

Verändert ein Baby meine Beziehung oder mein Sexleben?

Viele schwangere Frauen durchleben, bedingt durch physische, hormonelle und psychische Veränderungen, phasenweise schwankende Emotionen und Launen – aber auch die werdenden Väter kennen dies von sich selbst. Es kommt eine große Veränderung auf euch zu und es gibt noch so viele Dinge zu erledigen.

Ein Baby kann keine Beziehung retten, aber das Gründen einer gemeinsamen Familie kann eure Beziehung zueinander vertiefen. Denkt immer daran, dass ihr offen und respektvoll miteinander redet und gemeinsam Lösungen entwickelt.

Während einer Schwangerschaft könnt ihr miteinander intim werden, solange kein Risiko für zum Beispiel eine Fehlgeburt besteht. Ihr könnt eure Hebamme oder den Frauenarzt fragen, damit ihr ganz sicher sein und die gemeinsame Zeit genießen könnt. An diese Art Fragen sind alle, die Paaren in der Schwangerschaft helfen, gewöhnt, also braucht ihr euch auch nicht zu schämen oder euch komisch vorkommen, dass ihr nach Sex fragt.

Aber nur weil ihr es bedenkenlos tun könnt, heißt das noch lange nicht, dass ihr auch miteinander schlafen müsst. Eure Libido kann schwanken, vielleicht seid ihr auch einfach zu erschöpft – sprecht offen und ehrlich miteinander und tut das, was sich für euch richtig anfühlt. Besonders in der ersten Zeit nach der Geburt wird Schlaf bestimmt einen größeren Stellenwert für euch einnehmen.

Was mache ich während der Geburt?

Vor einer Geburt ist wahrscheinlich jeder sehr aufgeregt – jetzt beginnt endgültig ein neuer Lebensabschnitt und theoretisch kann man so viele Dinge falsch machen. Ihr könnt während der Geburt Händchen halten und die im Geburtsvorbereitungskurs erlernten Atemübungen vormachen. Vielleicht wünscht sich die werdende Mutter, dass ihr mit ihr sprecht oder den Mund haltet. Orientiert euch einfach daran, was sie euch sagt.

Was euch selbst angeht, könnt ihr auch schon vorab darüber Gedanken machen, was ihr sehen und selbst erleben wollt. Ihr könnt zum Beispiel die Nabelschnur durchschneiden, ihr müsst es aber nicht tun, ebenso wenig wie ihr zusehen könnt, wie euer Baby auf die Welt gepresst wird oder lieber „oben am Kopf bleibt“. Es gibt kein falsches Herangehen.

Ihr habt sicherlich schon davon gehört, dass viele Männer während der Geburt ohnmächtig werden – tatsächlich ist das aber eher selten der Fall. Solange ihr aufpasst, dass ihr genug Wasser zu euch genommen habt und auch nicht unterzuckert seid, ist das Gefühl von etwas weichen Knien völlig normal und deutet auch nicht auf eure fehlende Männlichkeit oder Unfähigkeit Papa zu werden hin.