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Wenn Kinder beißen

Baby beißt in Wassermelone
© PublicDomainPictures auf Pixabay

Mit Kindern wird es nie langweilig und sie überraschen Ihre Umgebung täglich: Das erste Lächeln, ein gemaltes Bild, eine freudige Umarmung… und ein schmerzhaftes Beißen?

Wenn euer Kind beißt, ist das erst einmal nicht ungewöhnlich – auch wenn euch das wahrscheinlich nicht helfen wird. Besonders wenn euer Kind regelmäßig zubeißt und andere Kinder oder Erwachsene verletzt, werdet ihr bald weder Spieldateeinladungen noch einen Kindergartenplatz haben.

Bissige Säuglinge

Die meisten Säuglinge beißen, weil sie gerade zahnen oder einen Gegenstand mit ihrem Mund entdecken. Solange noch keine Zähnchen da sind, stört das die meisten herzlich wenig und viele finden es auch süß, wenn der kleine Sonnenschein vergnügt auf seinem Beißring oder dem elterlichen Finger „kaut“. Mütter, die stillen, wissen aber, dass es überhaupt nicht mehr süß ist, sobald der erste Zahn da ist und während des Trinkens eingesetzt wird.

Kleinkinder mit Biss

Sobald die Zähne da sind und Kausalverknüpfungen verstanden und ausprobiert werden, beißen viele Kinder, um zu schauen, welche Reaktion sie dadurch hervorrufen können.

Beißen wird dann auch oft ein Mittel, um sich ausdrücken zu können – besonders wenn die eigenen Worte fehlen. Frustration, Wut, aber auch Angst können so der Umwelt mitgeteilt werden und man erhält die nötige Aufmerksamkeit oder kann seinen Willen durchsetzen.

Mit Beißen richtig umgehen

Gleiches mit gleichen vergelten und zurück beißen? Wohl eher nicht, außer man will eine Umgebung des Schmerzes erschaffen.  Sobald euer Kind jemanden gebissen hat, solltet ihr deswegen deeskalierend handeln.

Schritt 1: Sanft, aber konsequent

Sagt eurem Kind in klaren Worten, dass es nicht beißen soll. Lange Sätze werden euren Schatz in dieser Situation überfordern, besonders wenn es aus einer Stressreaktion heraus gebissen hat. Ein „nicht beißen“ reicht deswegen völlig. Schreit es dabei aber nicht an, sondern bleibt ruhig.

Schritt 2: Sich um das Opfer kümmern

Wenn ein Erwachsener gebissen wurde, reicht meistens eine schnelle Nachfrage, ob alles in Ordnung ist oder ob eine Wunde versorgt werden muss. Wurde dagegen ein anderes Kind gebissen, dann ist der Schock des Opfers meist groß und nicht selten fließen Tränen. Tröstet es und versorgt mögliche Wunden.

Schritt 3: Wenn nötig, sich um den Täter kümmern

Hat euer Kind gebissen, weil es Aufmerksamkeit haben möchte? Dann lasst diesen Schritt wegfallen, da ihr das Beißen sonst nur positiv verstärkt. Resultierte der Biss dagegen aus einer Stresshandlung, dann wird euer Kind ebenfalls tröstende Worte brauchen. Besonders wenn es sich schlecht fühlt, dass es das andere Kind gebissen hat. Vielen beißenden Kindern hilft es auch, wenn sie sich selbst zu dem gebissenen Kind setzen und es trösten dürfen. Eine ehrliche gemeinte Entschuldigung hilft beiden Seiten.

Schritt 4: Alternativen anbieten

Sobald sich die Gemüter beruhigt haben, könnt ihr mit eurem Liebling über den Vorfall sprechen und ihm Alternativen zum Beißen aufzeigen. „Stop!“, „Nein“, oder „Das gehört mir“ können auch in Stresssituationen gesagt werden und ein klares Zeichen setzen. 

Wenn euer Kind von Situationen schnell überfordert wird und eine Auszeit braucht, um die Reize zu verarbeiten, könnt ihr auch ein gemeinsames Zeichen oder Wort ausarbeiten und der Umgebung mitteilen. So kann sich euer Kind mit einer Geste eine Pause verschaffen und muss nicht mehr beißen, um seiner Überforderung Ausdruck zu verleihen.

Aller Anfang ist schwer

Beißt euer Kind schon länger, um sich auszudrücken, dann werdet ihr vermutlich länger an einer Alternativmaßnahme arbeiten müssen, als wenn es das erste Mal zugebissen hat.

So schwer es euch auch fallen mag, bleibt geduldig und wiederholt die deeskalierenden Maßnahmen so oft wie nötig. Ein Kind aus Frust anzuschreien oder sogar zu verletzen, hilft niemanden. Stattdessen lernt es dadurch nur, dass Gewalt in Ordnung ist – vor allem wenn man der Stärkere ist.

Mit der Zeit werdet ihr aber erleben, wie euer Kind nicht sofort zubeißt, wenn ihm die Worte fehlen, sondern zumindest für einen Moment innehält. Und dann kommen nach und nach immer mehr Situationen, in denen es seine Gefühle anders ausdrückt. Lobt dieses Verhalten auf jeden Fall und sagt ihm, wie stolz ihr seid, dass es „Stopp“ gesagt hat, anstatt zu beißen.

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